Orientierungsrahmen Globale Entwicklung der KMK

 

Zusammenfassung

 

Hier können Sie den gesamten Orientierungsrahmen downloaden.

Der Orientierungsrahmen „Globale Entwicklung“ wurde durch die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)2007 veröffentlicht. Die zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage erschien im Juni 2016. Die KMK legt darin Lehrerinnen und Lehrern nahe, sich mit dem Thema „Globale Entwicklung“ in ihrem Unterricht zu beschäftigen. Die Kerngedanken des Orientierungsrahmens finden Sie im folgenden kurz zusammengefasst.

Für Schülerinnen und Schüler, betont die KMK, ist es wichtig, komplexe Zusammenhänge zu begreifen, um optimal auf die zukünftige Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet zu werden. Der Bereich „Globale Entwicklung“ sei ein wichtiger Teil der Allgemeinbildung – deshalb unterstützt die KMK die Vermittlung entsprechender Themen und Kompetenzen.

In der Empfehlung der KMK werden nach einem Einleitungsteil, der Kompetenzen, Themen und Leistungsanforderungen darlegt, konkrete Hinweise für die Umsetzungsmöglichkeiten einzelner Fächer und Bildungsbereiche gegeben. Die Kompetenzen, die durch die Vermittlung globaler Themen, ausgebildet werden können umfassen die Kernkompetenzen „Erkennen, Bewerten und Handeln“. Sie werden im Orientierungsrahmen weiter spezifiziert.

Inhaltliche Herleitung

 
Die Entwicklung des Konzepts stützt sich auf vielfältige Expertisen und internationale sowie nationale Beschlüsse. Dazu gehört insbesondere das Leitbild nachhaltiger Entwicklung, welches seit dem Beginn der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005 bis 2014) verstärkt für den Bildungsbereich aufbereitet wird.

Darüber hinaus wurden auch zahlreiche Beschlüsse und Empfehlungen von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen und Institutionen in der Entwicklung des Orientierungsrahmens berücksichtigt.

Ausgehend von den Zieldimensionen nachhaltiger Entwicklung, die in der Erklärung von Rio zu Umwelt und Entwicklung 1992 von der Weltgemeinschaft als gemeinsame Ziele vereinbart wurden, leiten die Autoren in Entwicklungsdimensionen ab.

Die vier Entwicklungsdimensionen umfassen:

  • Gesellschaft

  • Wirtschaft

  • Politik und

  • Umwelt

Dabei legen sie besonderen Wert auf die Handlungsebene, also darauf, wie nachhaltige Entwicklung vom Individuum bis hin zu Internationalen Organisationen verwirklicht werden kann.

Pädagogische Herleitung


Im zweiten Kapitel thematisiert der Orientierungsrahmen die schulischen Rahmen-bedingungen und pädagogisch-didaktische Herausforderungen: Wie nehmen Kinder und Jugendliche Globalisierung wahr – wie wirkt sie sich auf ihren Alltag aus? Zitiert wird unter anderem aus der Shell-Jugendstudie: „Der Prozess der Globalisierung ist für die Mehrheit der Jugendlichen im Großen noch wenig fassbar und konkret. Insgesamt hat die Skepsis etwas zugenommen, ohne dass die Frage, was Globalisierung den Einzelnen bringen wird, in den Köpfen bereits entschieden ist.“ (15. Shell Jugendstudie, S. 167). Die Untersuchungen zeigen auch, dass bei der Mehrheit der Jugendlichen Verantwortungsbewusstsein für globale Probleme und Handlungsbereitschaft eher gering ausgeprägt sind. Nichtsdestotrotz zeigen sie Bereitschaft, zugunsten der Entwicklungsländer etwas zu unternehmen.
Diese Ergebnisse, so die Autoren, geben Anlass zu einer Ausweitung des Themenspektrums im Unterricht.

Ziele, die durch den Einbezug Globaler Entwicklung im Unterricht erreicht werden sollen, sind:

  • Gestaltung des persönlichen und beruflichen Lebens

  • Mitwirkung in der eigenen Gesellschaft

  • Mitverantwortung im globalen Rahmen

Die Autoren plädieren sehr stark für einen fachübergreifenden Unterricht, in dem Inhalte aufeinander bezogen und auch in diesem Sinne nachhaltig vermittelt werden.

Globale Entwicklung muss altersgerecht im Unterricht behandelt werden: Für Kindergarten und Grundschule stehen Themen wie Nähe und Ferne/ Vertrautes und Fremdes im Vordergrund. Dabei dürfen Kinder nicht mit unlösbaren Problemen allein gelassen werden – die Darstellung des „Fremden“ sollte nicht zu stark von der Lebenswirklichkeit der Kinder entfernt sein.

Für die Sekundarstufe I werden viele Themen bereits in den Fächern Geografie, Politik/ Sozialkunde, Biologie, Geschichte, Religion/Ethik, und Wirtschaft/Arbeitslehre behandelt: Hier geht es nun stärker darum, fachübergreifend zu arbeiten, die Kohärenz und Zielkonflikte der oben beschriebenen Entwicklungsdimensionen aufzugreifen und zu bearbeiten.

Die SchülerInnen der Sekundarstufe II sollen verstärkt individuell lernen und dabei ihre Selbstorganisation und Selbststeuerung ausweiten. Dies ist eine zentrale Bildungsaufgabe der Schule - der Lernbereich Globale Entwicklung bietet hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte und praktische Vorschläge.

In der Beruflichen Bildung sollen Bezüge zwischen dem zu erlernenden Beruf und den vorgestellten Themen hergestellt werden. Hier soll es darum gehen, die Auszubildenden zu Handlungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein über individuelle (Konsum)Entscheidungen hinaus zu einer nachhaltigen Berufsausübung anzuregen und zu befähigen.

Insgesamt werden 20 Themenbereiche vorgeschlagen, die zentrale Herausforderungen und Entwicklungen unserer Gesellschaft betreffen. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Themenbereichen sollen der Kompetenzerwerb und die genannten Lernziele erreicht werden. Der Orientierungsrahmen bietet Vorschläge dafür, wie Aufgaben für Schülerinnen und Schüler gestellt und Schulcurricula entwickelt werden können.

Schließlich werden Anschlussmöglichkeiten für einzelne Fächer (Biologie, Geografie, Politische Bildung, Ethik, Wirtschaft) und Bildungsbereiche (Grundschule, Berufliche Bildung) in Hinblick auf den Kompetenzerwerb mit didaktisch aufbereiteten Übungen präsentiert.

Aktuell: Erweiterung des Orientierungsrahmens

Im Mai 2014 wurde die Erweiterung und Aktualisierung des Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung abgeschlossen. Der Entwurf wurde am 5. Dezember 2014 vom Schulausschuss der KMK beschlossen und steht nun seit 2016 der (Fach-)Öffentlichkeit als Download-Dokument zur Verfügung.

Die Erweiterung umfasst, neben einer Überarbeitung der allgemeinen Teile des Orientierungsrahmens, neue Fächer und Fachbereiche:

  • Integrierte Naturwissenschaften
  • Mathematik
  • Deutsch
  • Fremdsprachen
  • Geschichte
  • Kunst
  • Musik
  • Sport

Die Fachteile der ersten Auflage von 2007 werden unverändert in die Neufassung übernommen.